Radler, kommst Du nach Nürnberg…

…dann vergiss die Luftpumpe nicht. Nicht nur wegen der schlechten Radwege, sondern seit dem letzten Freitag (31. Juli 20) muss man auch damit rechnen dass die Polizei Luft aus den Reifen läßt.

Wenn die Polizei Dir die Luft aus den Reifen läßt ist das ein wirksames Gegenmittel
Wenn die Nürnberger Polizei Dir die Luft aus den Reifen läßt…

Dies scheint eine neue, innovative Taktik der Polizei zu sein, um die Radler der Critical Mass an ihrem frevelhaften Tun zu hindern.
Seit ca. 10 Jahren rollt die CM einmal im Monat durch Nürnberg und das war bisher ziemlich problemlos. Die Teilnehmerzahlen stiegen und stiegen, an guten Tagen waren es mehr als 1000. Jetzt wurde es dem neuen CSU Oberbürgermeister und der Autofahrerfraktion in seiner Partei offensichtlich zu bunt. Die CM wurde verboten und mit massivem Polizeiaufgebot verhindert. Trotzdem gelang es einigen Gruppen in der Stadt zu radeln. Das Glück währte jedoch nicht lange. In der Gudrunstraße wurde z.B. eine Gruppe von 100 Radlern von 2 Einsatzfahrfahrzeugen der Polizei überholt und geschnitten. Die Fahrzeuge wurden quer gestellt, Beamte sprangen heraus und stürmten auf die Radler zu. Das Ergebnis war ein ziemliches Durcheinander das leicht zu Verletzten hätte führen können. Der einzige Grund für diese verantwortungslose und gefährliche Aktion war eine Machtdemonstration. Für eine Organisation, deren Markenkern die „Sicherheit“ ist, schon sehr bemerkenswert.
Die Stadt Nürnberg begründet das Verbot der CM mit den Gefahren durch Corona, genehmigt gleichzeitig aber ein Volksfest auf zentralen Plätzen der Stadt mit großem Publikumsverkehr.

Ganz offensichtlich ist Corona der ideale Vorwand, um eine unliebsame Veranstaltung zu verhindern. Besser wäre es, die Stadt würde dem Radverkehr Platz endlich den Platz einräumen, der ihm gebührt. DANN wäre auch die CM überflüssig. Aber verbieten ist halt leichter als eine vernünftige Infrastruktur zu bauen….






							
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Mobilitäts- statt Dinosaurierprämie

Heute verhandeln die Parteien der GroKo über ein Konjunkturprogramm. Doch statt die Chance zu nutzen, die Coronoakrise für die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft hin zur mehr Ökologie und mehr sozialer Gerechtigkeit zu nutzen, streitet sie darüber ob die Autoindustrie mal wieder mit Milliarden Steuergeldern dafür belohnt wird, dass sie weiter ungebremst Fahrzeuge mit einem CO2 Ausstoß von weit über 200g /km verscherbeln kann.

Dagegen wurde heute in ganz Deutschland an vielen Orten protestiert. Auch in Nürnberg hat fff eine Demo auf die Beine gestellt. Mehr Rad, mehr ÖPNV und viel weniger Auto ist die Lösung, die es jetzt braucht.

Einige Anmerkungen zu den äußeren Umständen: Die Auflagen seitens des Ordnungsamtes für eine Demo sind zur Zeit sehr restriktiv. So kann man weder den Ort bestimmen noch die Dauer noch die Art. Nicht alles daran ist konsistent. Während in Läden ein Mindestabstand von 1.5 m gefordert ist, waren es hier 2m. Dabei ist das Risiko, sich in Innenräumen anzustecken, laut dem Virologen Drosten geschätzt 20 mal höher als draussen. Die Sinnhaftigkeit des Maskenzwangs im Freien ist auch eher fragwürdig.

Das Verteilen von Flugblättern an die wenigen Passanten, die sich an das abgelegene Demogelände verirrt hatten, war ebenfalls verboten. Dabei gibt es keine Belege, dass über Papier der Virus nennenswert verbreitet wird. Ordnungsämter haben offensichtlich das Bestreben einer 100% Sicherheit. Aber eben nur hier. Wenn man an dicht belegte Flüchtlingsheime oder Unterkünfte für Mitarbeiter in der fleischverabeitenden Industrie ansieht, ist das angestrebte Sicherheitsniveau ganz offensichtlich deutlich geringer.

Wollen wir hoffen, dass das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit nicht irgendwann so ausgehöhlt ist, dass es seinen Sinn verliert….

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Haushalt

Letzte Woche waren Haushaltsberatungen im Nürnberger Stadtrat. Noch vor wenigen jahren hielten CSU und SPD -das ist die GroKo im Stadtrat – 1 Million € /Jahr für den Radetat für ausreichend. Mittlerweile reden beide von 10 Mio €/a. Ist jetzt also alles gut ?

Dazu muss man wissen, dass im März 2020 Kommunalwahlen stattfinden, ein Radentscheid vor der Tür steht und der Handlungsdruck für die Stadt wegen der permanenten Grenzwertüberschreitungen bei NOx enorm ist. Also ja, man merkt, es bewegt sich was.

Als die „Kleinen“ im Stadtrat auch entsprechende Planungskapazitäten -sprich Stellen im Verkehrsplanungsamt- beantragten wurden diese von der GroKo einmütig von ihr abgelehnt. Wir werden also vermutlich erst nach der Wahl sehen, ob es sich bei der jetzigen verbalen Begeisterung fürs Rad bei CSU und SPD um mehr als ein Strohfeuer handelt.

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Wenn so, dann lieber gar nichts

An dieser Stelle an an der Äusseren Bayreuther Straße kann man gut sehen, was die Stadt Nürnberg unter Radwegen versteht. Diser hier wurde erst vor kurzem vor kurzem „gebaut“, sprich rote Farbe aufgetragen.. Aus 2 normalen Fahrspuren werden damit 2 schmale. Besonders gerne macht die Stadt  das an den Stellen, ab denen rechts auch noch Autos parken dürfen. Wann immer ein unachtsamer Autofahrer die Tür aufreißt, kracht man als Radler dagegen. Es sei denn, man hält nach rechts den einen Meter Abstand, damit man ausserhalb der Dorring-Zone ist. Aber dann fährt man eben  auch am linken Rand des sogenannten Radweges, was zur Folge hat, dass Autos und LKWs einen mit minimalen Abstand überholen. Weil diese ja glauben, dass es ihre Fahrbahn ist und nicht wissen dass sie trotz „Radweg“ beim Überholen 1.5 m Abstand halten müssen. Dies provoziert somit gefährliche Situationen, die es ohne ihn weniger häufig gäbe. Man traut sich eben nicht, eine ganze Fahrspur dem Autoverkehr wegzunehmen, statt dessen wird gefährlicher Mist gebastelt. Kein Wunder daher auch, dass im Fahrradklimatest des ADFC Nürnberg die immer gleiche schlechte Note erhält.

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„Falschparken kostet Leben“ und warum trotzdem nichts passiert

Wie mehrfach in den Medien berichtet, hat die Stadt Nürnberg eine Kampagne gestartet mit dem Titel „Falschparken kostet Leben“ Kürzlich wurde dann eine Bilanz der ersten Aktivitäten von Polizei und Stadt veröffentlicht.

Kampagne der Stadt Nürnberg

Zitat aus dem Bericht : „Allein an diesen drei Tagen stellten die Ordnungshüter und Verkehrsüberwacher insgesamt 1125 Verwarnungen mit Zahlungsaufforderungen wegen Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung aus. 43 Mal wurde das Parken in Feuerwehranfahrtszonen geahndet. Zusätzlich wurden 27 Entfernungsaufforderungen, sogenannte Rotpunkte, angebracht und eine Straftat wegen „Trunkenheit im Verkehr“ festgestellt. „

Wenn die Stadt Nürnberg sagt, dass Falschparken Leben kostet und im Hintergrund des Plakates ein FW Fahrzeug zu sehen ist, würde ich doch erwarten, dass Stadt und FW in Feuerwehreinfahrten/zonen parkende Fahrzeuge als große Gefahr bewerten. Und sie sagen mit dem Plakatspruch, dass es nicht passieren könnte, sondern es passiert bzw. passiert ist. Dann würde ich gerne die konkreten Umstände erfahren. Ich frage mich insbesondere, wieso bei drohender Gefahr diese trotz Kenntnis nicht unverzüglich beseitigt wird. Statt dessen werden Knöllchen oder „Entfernungsaufforderungen“ verteilt.

Man stelle sich das Szenario vor, dass eine solche Entfernungsaufforderung verteilt wurde, es dann zum Brand kommt und die FW wegen des parkenden Fahrzeugs nicht oder nicht rechtzeitig zum Einsatzort kommt und deswegen Menschen ums Leben kommen.

Für mich ergibt sich dann die Frage, wer dafür (mit)-verantwortlich ist. Zum einen natürlich der Fahrzeugführer, aber doch auch der, die diese Gefahr mit Leichtigkeit hätten beseitigen können. Das sind Stadt bzw. Polizei.

Das Verwaltungsgericht München (s.a. Urteil) hat festgestellt, dass es selbstverständlich zulässig ist, in so einem Fall das Fahrzeug ohne Vorwarnung abzuschleppen und die Kosten hierfür dem Fahrzeugführer anzulasten. Das kann also nicht der Grund für die schon sehr große „Nachsichtigkeit“ sein, die selbst angesichts grober und gefährdender Verstöße gegen Verkehrsregeln seitens Stadt und Polizei praktiziert wird.

Ich habe diese Frage auch an BM Vogel gestellt, aber bisher noch keine Antwort erhalten. Ich hoffe auf baldige Erleuchtung.

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Wegschleppen statt Wegschauen

Zahllose Fahrzeuge parken in Nürnberg immer wieder rücksichtslos in Feuerwehreinfahrten, aber auch auf Geh- und Radwegen sowie im Kreuzungsbereich. Daraus resultierende Gefährdungen sind eine direkte Folge der langjährigen Praxis des Wegschauens durch die Stadt Nürnberg und Polizei. Es hat sich eben herum gesprochen, dass man als Falschparker keine ernsthaften Konsequenzen zu befürchten hat.
Statt Gefährdungen durch Abschleppen zu beseitigen, werden – wenn überhaupt – Knöllchen zu Spottpreisen verteilt.

Dieses Wegschauen führt immer wieder zu lebensgefährlichen Situationen.
Wir fordern Stadt und Polizei auf, endlich ihrer Pflicht nachzukommen und bei gefährdenden oder behindernden Parkverstößen unverzüglich abzuschleppen. Damit wird im Gegensatz zu Billig-Knöllchen das Problem beseitigt und außerdem eine abschreckende Wirkung erzielt. Das Geld für die hilflose Falschparker-Plakatkampagne der Stadt Nürnberg würde besser in mehr Personal für die Verkehrsüberwachung investiert.

Update 2.11.2018 : Die NN berichten.

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Geht’s los in Nürnberg ?

Unsere Forderung nach Fahrradstraßen findet endlich Gehör….

Jahrelang hat die GroKo im Rathaus jeden substantiellen Fortschritt hin zu einer ökologisch und menschenfreundlichen Mobilität vor allem beim Radverkehr verhindert.

Jahrelang haben wir Radlerinitiativen Forderungen erhoben nach mehr Geld, mehr Personal, mehr Raum und mehr Mut. Jetzt häufen sich die Signale, dass wir mit unseren Argumenten endlich durchdringen.
Kürzlich hat die GroKo eine Verdreifachung des Etats angekündigt. Jetzt kommt noch ein Fahrradstraßenausbauplan dazu, den wir seit langem fordern.
Was ist da los im Rathaus ? Wir wissen es nicht, freuen uns aber und hoffen, dass jetzt wirklich Taten folgen.

Der Anfang ist angekündigt, aber viel mehr muss noch folgen, damit die Verkehrswende erfolgreich wird:

  • Ein restriktives Parkplatzmanagement und autofreie Zonen, um mehr Platz für Menschen statt Blechdosen zu schaffen.
  • Ausreichende und gute Abstellanlagen für Räder
  • Das konsequente Verfolgen von Falschparkern, die Radler und Fußgänger gefährden
  • Sichere ( das heisst baulich getrennte) Radwege, so dass jedemann/ frau sich angstfrei in der Stadt bewegen kann.
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An Abstand

…mangelt es ganz oft, wenn Autofahrer Radler überholen.  Das sichtbar zu machen, gelang bei einer spontanen Aktion des ADFC in Nürnberg. Der Bericht hierzu ist auf der Seite der Nürnberger Nachrichten zu finden. Auch Radio-Z hat einen  Beitrag zur Radfahrsituation in Nürnberg gemacht und ein Interview mit uns geführt.

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Dem Paradies ganz nah

Radschnellweg in Nijmegen: Brücke über den Waal

Im April waren wir in Nijmegen, Hollands Fahrradhauptstadt 2016, um uns  mit eigenen Augen davon zu überzeugen, dass die Holländer uns in Sachen Radpolitik um gefühlte 50 Jahre voraus sind. Wir wurden nicht enttäuscht. Man sieht weder Kinder noch sonst Menschen mit Helm, außer Rennradler. Dafür eine an vielen Stellen sehr gut ausgebaute Infrastruktur, wie zum Beispiel den 18 km lange Radschnellweg nach Arnhem, der durchgehend beleuchtet ist und an kleinen und mittleren Straßen Radlern Vorfahrt gewährt.

Hier gibt es ein kurzes Youtube Video

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In Propaganda erstarrt

Unser Oberbürgermeister Dr. Maly hat sich anläßlich des Leipziger Urteils zum Dieselfahrverbot in einer langen Presseerklärung des „konsequenten Ausbaus der öffentlichen Verkehrsmittel“ gerühmt. Diese Behauptung, die man seitens der Stadt immer wieder hört,  habe ich mir nun mal  angeschaut.  Auf der städtischen Website finden sich dazu einige interessante Zahlen.

Also:
Seit 1995 bis heute schwankt der Anteil der mit dem ÖPNV zurück gelegten Wege in Nürnberg zwischen 21 und 22%.
Der Radverkehrsanteil hat sich im gleichen Zeitraum von 10% auf 13% leicht erhöht, der Anteil des Motorisierten Individualverkehrs (MIV) leicht verringert von 45% auf 43%.
Dabei fehlt es nicht an Absichtserklärungen und lauthals verkündeten Zielen. In der „Nürnberg steigt auf“ Kampagne der Stadt wurden 20% Radverkehrsanteil bis zum Jahr 2015 als Ziel formuliert.
Der Anteil der Wege im Umweltverbund soll auf 70% erhöht werden, aktuell sind es 57%.
Keines dieser eher  bescheidenen Ziele wurde auch nur annähernd erreicht und es besteht auch -mangels  Taten- aktuell keinerlei Aussicht, dass sich das ändern könnte.
In Nürnberg bewegt sich also in der Verkehrspolitik seit über 20 Jahren nichts mehr und es gibt wohl nur ganz wenige Städte in Deutschland, die in gleichem Maße auf der Stelle treten. Ist das der „konsequente Ausbau“, den Dr. Maly meint ?

Welche Gründe könnte dieser Stillstand haben ?

  • An der Abwahl des damaligen  SPD Oberbürgermeisters Peter Schönlein, der 1996  wegen der angeblich auto-unfreundlichen Politik sein Amt und die Nürnberger SPD die Macht verlor und diese seitdem ein sorgfältig gepflegtes Trauma mit sich herum schleppt?
  • An der GroKo im Rathaus, wo sich CSU und SPD ganz offensichtlich einig sind, dass dem Auto nichts weggenommen werden darf ?
  • An einem harmoniebedürftigen Oberbürgermeister, der verwaltet statt gestaltet ?
  • An einer lauten Minderheit, die jede Reduktion oder Einschränkung des Autoverkehrs als Angriff auf die persönliche Freiheit empfindet ?
  • An einem Land, das seit 70 Jahren das Auto als das eigentlich einzig erstrebenswerte Verkehrsmittel betrachtet und alle anderen gering schätzt ?

Ich weiss es nicht.

Aber eines weiss ich:
Eine Stadt mit weniger MIV und Platzverbrauch durch stehende Fahrzeuge wäre für ALLE besser, weil es mehr öffentlichen Raum gäbe, weniger Lärm, höhere Lebens- und Aufenthaltsqualität, bessere Atemluft und damit eine insgesamt höhere Attraktivität. Eine Stadt für Menschen statt für Autos. Zahllose Beispiele im In-und Ausland belegen es. Hoffen wir, dass auch Nürnberg irgendwann einmal auf den Trichter kommt.

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