In Propaganda erstarrt

Unser Oberbürgermeister Dr. Maly hat sich anläßlich des Leipziger Urteils zum Dieselfahrverbot in einer langen Presseerklärung des „konsequenten Ausbaus der öffentlichen Verkehrsmittel“ gerühmt. Diese Behauptung, die man seitens der Stadt immer wieder hört,  habe ich mir nun mal  angeschaut.  Auf der städtischen Website finden sich dazu einige interessante Zahlen.

Also:
Seit 1995 bis heute schwankt der Anteil der mit dem ÖPNV zurück gelegten Wege in Nürnberg zwischen 21 und 22%.
Der Radverkehrsanteil hat sich im gleichen Zeitraum von 10% auf 13% leicht erhöht, der Anteil des Motorisierten Individualverkehrs (MIV) leicht verringert von 45% auf 43%.
Dabei fehlt es nicht an Absichtserklärungen und lauthals verkündeten Zielen. In der „Nürnberg steigt auf“ Kampagne der Stadt wurden 20% Radverkehrsanteil bis zum Jahr 2015 als Ziel formuliert.
Der Anteil der Wege im Umweltverbund soll auf 70% erhöht werden, aktuell sind es 57%.
Keines dieser eher  bescheidenen Ziele wurde auch nur annähernd erreicht und es besteht auch -mangels  Taten- aktuell keinerlei Aussicht, dass sich das ändern könnte.
In Nürnberg bewegt sich also in der Verkehrspolitik seit über 20 Jahren nichts mehr und es gibt wohl nur ganz wenige Städte in Deutschland, die in gleichem Maße auf der Stelle treten. Ist das der „konsequente Ausbau“, den Dr. Maly meint ?

Welche Gründe könnte dieser Stillstand haben ?

  • An der Abwahl des damaligen  SPD Oberbürgermeisters Peter Schönlein, der 1996  wegen der angeblich auto-unfreundlichen Politik sein Amt und die Nürnberger SPD die Macht verlor und diese seitdem ein sorgfältig gepflegtes Trauma mit sich herum schleppt?
  • An der GroKo im Rathaus, wo sich CSU und SPD ganz offensichtlich einig sind, dass dem Auto nichts weggenommen werden darf ?
  • An einem harmoniebedürftigen Oberbürgermeister, der verwaltet statt gestaltet ?
  • An einer lauten Minderheit, die jede Reduktion oder Einschränkung des Autoverkehrs als Angriff auf die persönliche Freiheit empfindet ?
  • An einem Land, das seit 70 Jahren das Auto als das eigentlich einzig erstrebenswerte Verkehrsmittel betrachtet und alle anderen gering schätzt ?

Ich weiss es nicht.

Aber eines weiss ich:
Eine Stadt mit weniger MIV und Platzverbrauch durch stehende Fahrzeuge wäre für ALLE besser, weil es mehr öffentlichen Raum gäbe, weniger Lärm, höhere Lebens- und Aufenthaltsqualität, bessere Atemluft und damit eine insgesamt höhere Attraktivität. Eine Stadt für Menschen statt für Autos. Zahllose Beispiele im In-und Ausland belegen es. Hoffen wir, dass auch Nürnberg irgendwann einmal auf den Trichter kommt.

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